Dienstag, März 6

Hopelessly devoted



Es gibt Tage, die fühlen sich an wie Nächte. Schlechte Nächte. Nächte, in denen man sich schweisstriefend im Bettlaken verheddert und träumt, man sei in einem surrealen französischen Film gefangen, einer Art Abziehbild der Realität. Und obwohl es doch herrlich absurd erscheinen mag, dass der Typ, der jeden Dienstag an der Bushaltestelle wartet, mich mit einem Baguette erdrosseln will, fühlt es sich beängstigend wirklich an. Ab nun werde ich jedenfalls sämtlichen Augenkontakt zu ihm vermeiden.
Nun, es gibt Tage, die fühlen sich an wie Nächte. Aus Träumen wachen wir erschreckt auf, aber es gibt Tage, an denen man schon vor dreizehn Stunden aufgewacht ist und die Welt erscheint trotzdem keineswegs realer.




An diesen Tagen bleibt nichts anderes übrig, als zu träumen.
Deswegen habe ich mir vorgestern beide Staffeln 'Pushing Daisies' bestellt und ich hätte mir ohne zu zögern noch mehr zukommen lassen, wenn es denn mehr gäbe. Leider hat die schöne Welt des wundervollen Kuchenbäckers nicht alle Herzen gereizt, weswegen die Sendung nach nur 22 Folgen eingestellt wurde.
Für diejenigen, die die Sendung nicht kennen, sei der Plot kurz zusammengefasst:
Der introvertierte Kuchenbäcker Ned (gespielt vom hinreissenden Lee Pace) hat die Fähigkeit, Tote durch eine kleine Berührung wieder zum Leben zu erwecken. Doch wie alle Gaben fordert auch diese ihr Tribut: Berührt er die 'alive agains' ein zweites Mal, kehren diese unwiderruflich ins Reich der Toten zurück. Berührt Ned die Untoten (obwohl er diese Bezeichnung ablehnt) innerhalb einer Minute nicht ein zweites Mal, so wird ein Leben eines anderen Wesens in der Nähe geopfert.
Zufälligerweise wird der Privatdetektiv Emerson Cod Zeuge einer solchen Wiederbelebung und löst seither mit Ned ungelöste Mordfälle per Opferbefragung.
Eines Tages liegt ein bekanntes Gesicht im Sarg vor Ned: Seine Jugendliebe Charlotte "Chuck" Charles, deren Vater Ned als 10-Jähriger versehentlich zugunsten seiner eigenen Mutter getötet hat.
Ned zögert zu lange und gewährt Chuck schliesslich eine zweite Chance auf ihr Leben.
Das Ganze gemahnt dank der Erzählweise teilweise stark an "Le fabuleux destin d’Amélie Poulain", hat aufgrund der übernatürlichen Elemente und der vielen tierischen Gastauftritte aber auch etwas sehr Märchenhaftes. Unterstützt wird dieser Eindruck auch von der bunten Optik, in der die Serie daherkommt. So ist das Restaurant Neds, das 'Pie Hole', ein kuchenförmiges Gebäude, auf Strassen kurven "Dandy Lions" (von Pusteblumen angetriebene Öko-Fahrzeuge) und auch die Outfits von Anna Friel und vielen anderen Darstellern sind so farbig, als stammten sie direkt aus einem Kinderbuch.

Tiere, eine ästhetisierte Version der Realität und ein umwerfend charmanter Hauptdarsteller - Ja, genau so gewinnt man Lila-Herzen.
Für mich persönlich trieft das Ganz ab und zu doch zu sehr vor Romantik (um nicht zu sagen Kitsch), was mir aber erst beim zweiten Blick auffällt. Wohl, weil ich zur Zeit meiner Entdeckung selbst gerade heillose verliebt war.

Trotzdem werde ich mich bis zum Samstag wohl noch öfter vor Zukunftsängsten und Sehnsuchtsanfällen verstecken bzw. mich mit meiner Riesenkatze in eine Decke einkuscheln, warme Schokolade trinken und davon träumen, nur ein einziges Mal vom Kuchenbäcker berührt zu werden.
Hach.






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