Freitag, Dezember 2

Dreiecksbeziehung




"We should totally buy a bar - and get a tattoo"


Gesagt, beinahe getan. Unglücklicherweise war der miefige Tattooschuppen um die Ecke schon ausgebucht, weshalb wir heute Morgen-Mittag brav und ungezeichnet zur Arbeit oder nach Hause getorkelt sind. Die unheilige Dreifaltigkeit kann Donnerstags nicht gemütlich bei einem Bier sitzen bleiben. Zumindest nicht, ohne dass noch eins und eines zu viel folgen.
Wider Erwartung legen wir in angetrunkenem Zustand aber eine ungeheure Produktivität an den Tag und sind am Morgen danach immer noch ganz verblüfft über den Gehalt unserer vermeintlichen Schnapsidee.






Die Absicht, mich tätowieren zu lassen, hege ich schon eine gefühlte Ewigkeit und mein Entwurf für den herrlich ironischen Anker auf dem Oberarm ist schon seit Oktober fertiggestellt.
Aber erstens kommt es immer anders und zweitens als man denkt, also wird bald schon ein minimalistisches Dreieck mein Handgelenk zieren.

Ursprünglich gedacht als Würdigung für meine beiden unglaublich tollen Geschwister, die ich grundsätzlich aber lieber als "Freunde" bezeichne, lasse ich mir mein Tattoo jetzt mit zwei meiner besten Freunde stechen. Lebensbeziehungen, zumindest die meinen, lassen sich unheimlich gut als Triangel schematisieren, wie mir scheint. So soll mein Tattoo sowohl für meine Geschwister, meine beiden besten Freundinnen und die eben genannten beiden Freunde stehen (welche zusammen mit mir öfters auch schlicht als "Das Dreieck" bezeichnet werden).

Und weil ich meine Freundschaften offenbar bevorzugt mit zwei anderen Menschen eingehe, kann ich praktischerweise mein Tattoo fortwährend meinen Freunden anpassen, haha.


Nun, das ganze Vorhaben mag wie eine schlecht durchdachte, vom Alkohol überkatalysierte Idee tönen. Eine gewisse Richtigkeit werde ich auch nicht verneinen. Aber den Plan hatten wir schon länger mehr als nur im Hinterkopf, Bier gab uns nur noch den nötigen Anstoss. Und da wir geschätzte 5 Schwüre geleistet haben, es diesmal wirklich zu tun und in diesen Minuten wohl schon der Termin fixiert wird, gibt es kein Zurück mehr.

Aber was ist, wenn ihr in 10 Jahren gar nicht mehr befreundet seid? Dann soll es eben so sein. Das Tattoo wird mich daran erinnern, das wir früher durch dick und dünn gegangen sind und mich hoffentlich fragen lassen, was sich verändert hat und ob es sich wirklich gelohnt hat, dafür meine Freunde aufzugeben.
Die andere Problemlösestrategie für diesen Fall habe ich oben ja bereits geschildert^^

Aber sich betrunken im nächsten Schmuddelstudio von einem verschwitzten bärtigen Proll tättowieren lassen, der nebenbei wahrscheinlich auch noch eine mit vergilbter Amerikaflagge geschmückte Piercingschlachtbank betreibt, ist unvernünftig, nicht? Ja. Das ist es tatsächlich und meine anderen Tattoos werde ich auch bei einem seriösen Künstler stechen lassen.
Aber genau eine solche semi-rationale Handlung ist bezeichnend für mich und meine Dreiecksbuddies. Genau unser jugendlicher Übermut mitsamt allen (guten wie schlechten) Konsequenzen hat unsere Freundschaft gefestigt und mich, als Kopfmenschen, gelehrt, dass Impulsivität nicht zwangsläufig zerstörerisch, sondern auch etwas durchaus Kreatives und Produktives sein kann.

Und wer auch nach der dümmsten und rufschädigendstenen Tat an meiner Seite ein Bier trinkt und dabei ein zum Trotz tiefgründiges Gespräch füehrt, der hat seinen Platz unter meiner Haut auch verdient.

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