Dienstag, Januar 25

Der Panther

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
So müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
Und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
Der sich im allerkleinsten Kreise dreht
Ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte
In der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
Sich lautlos auf - Dann geht ein Bild hinein
Geht durch der Glieder angespannte Stille
Und hört im Herzen auf zu sein.


- Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris



Eines jener (wenigen) lyrischen Werke, die meine Aufmerksammkeit beim zufälligen, kurzen Überfliegen zu bannen vermögen und deren subtile Schönheit sich mir nicht erst bei der dritten Lektüre offenbart.

Nein, Rilkes Darstellung des ermatteten Getiers, der erloschenen Lebensgeister drang direkt in mein Innerstes. Nicht das es mich gepackt und geschüttelt hätte - löste dieses Gedicht diese Reaktion aus, hätte Rilke schliesslich ebendiese Darstellung verfehlt - vielmehr erging es mir, als ob das gezähmte Tier tatsächlich vor mir läge und mich die Traurigkei dieses Bildes unbemerkt hypnotiserte.

Genau diese Paralyze erlaubt aber einen kurzen Blick auf die uns verborgenen eigenen Gitterstäbe zu werfen.

Auf unsere Träume ausserhalb, auf die Spinnweben innerhalb unseres Zwingers, inmitten wessen sie sich alle befinden. Sie, an welchen wir haften.

Sie, welche uns unwillentlich am Ausbruchsversuch hindern und sie, die wir trotz alle dem - oder vielleicht gerade weil sie unser einziger Halt zu sein scheinen - nicht missen können wollen.

Wir konzentrieren auf die Begebenheiten innerhalb des einstelligen Radius um uns und lassen die Zeit ein Gitterhaus um uns errichten. Schauen solange zwischen den Stäben hinaus, bis wir uns selbst überzeugt haben, hindurch schreiten zu können. Natürlich ohne auch nur einmal versucht zu haben, den Mikrokosmos hinter uns zu lassen.


Die Gewissheit, es jederzeit tun zu können reicht schliesslich für eine ausreichend grosse Menge Glück aus.

Sonntag, Januar 23

Insel

That bridge is on fire
Back to where I've been
I'm froze by desire
No need to leave

Where would I be
if this were to go under?
That's a risk I'd take
I'm froze by desire
As if a choice I'd make

I am yours now
So now I don't ever have to leave

I've been found out

So now I'll never explore





So now I'll never explore.




(Lyrics: 'Islands' by The XX, Photography: My Island)

Donnerstag, Januar 20

& the cold, the oncoming cold



Petrus scheint kurz vor der Ziellinie das Kopf-an-Kopf-Rennen die Führung doch noch an sich gerissen zu haben und hat seine Wahl zugunsten der eisigen Stagnation getroffen.
Da erscheint meine Entscheidung, heute krank zu sein, weitaus belangloser, auch wenn daraus eine überraschende Produktivität gekeimt ist. Sie streckt ihre zarten Triebe durch die Eisdecke und tastet sich tapsig hervor. Zögerlich. Aber sie scheint den Winter überlebt zu haben. Immerhin.



Doch nun zu etwas ganz anderem.
Tommy Vercettis Plattentaufe am Samstag im Bierhübeli
Hiermit appeliere ich an alle, die beschämenderweise noch kein Ticket ergattert haben: TUT ES!
Neben der von einer Live-band begleitetenv Taufe von Tommys atemberaubendem Geniestreich "Seiltänzer" wartet (um es einigermassen sachlich auszudrücken)überaus ansprechende Unterstützung aus Tommy Vercettis eigenen Reihen. Konkret zu nennen seien: Manillio & Dezmond Dez aus Tommys Crew "Eldorado FM", das Berner Rap-Duo LO & Leduc und dem St. Galler CBN




Nun, mir fehlen vorerst die Worte.
Mit meinem Antrieb verhält es sich wohl wie mit dem Wetter - teils eingefroren, teils zu einer unkenntlich braunen Matschsubstanz im Fall verkommen.
Ob daraus nun etwas wächst oder selbst dieses Potential sich plötzlich wieder unter einer starren Eismasse wiederfinden muss - es soll vorerst in mir Sternen stehen, die hinter einer dicken Wolkenfront stecken. Bestimmt.


Das Lähmende, es macht es sich auf meinen Schultern bequem wie eine dicke Katze, die mich verlässt, wenn ihr der Sinn danach steht und ihre Krallen tief in mein Schulterfleisch gräbt, wenn ich sie abzuschütteln versuche.
Aber vielleicht ist das ja auch bloss das sich ankündigende Fieber.
Oder der Schlafmangel.
Oder die alten Fehler, die ich, gleich einer Rasenden, die mit weit aufgerissenen Augen in die immer selbe Wand rennt, bloss der schönen Tapete willen, begehe. Wieder und wieder.